LUC DEMISSY

„Malen ist für mich eine Form, mit der Welt

in Kontakt zu bleiben.“

 

Welche Welt meint Demissy? Malt er diese Welt? Bildet er sie ab? Wir sehen Landschaften, einen Wald, vegetative Strukturen, Tiere, Menschen und geometrische, eher abstrakte Formen. Architektur? Was wir da sehen, erinnert uns an etwas. Aber wir erkennen unsere Welt nicht unmittelbar wieder. Es ist eher eine geheimnisvolle, sonderbare Welt, in die wir eintauchen.

Auch wenn Demissy gegenständlich malt, bildet er nicht die gesehene Wirklichkeit ab. Er formt sie aus der Erinnerung. Oft helfen auch eine Vorzeichnung und Skizzen dabei, die mythische Szenerie zu erfinden. Trotz Vorzeichnung wird nicht eine vorgegebene Form gefärbt sondern Farbe geformt. Im organischen Malprozess werden die Körper nicht selten weiter- und überformt. Trotz der festen Farbe bekommen die Körper so etwas Fleischiges und Bewegliches, fast so, als könne kein Knochengerüst sie daran hindern, sich weiter zu bewegen und zu wachsen. Auch wenn der Maler an Geschichten interessiert ist und seine Bilder Geschichten erzählen, illustriert Demissy nicht einen bekannten Mythos sondern erfindet ihn mit der Sprache seiner Malerei neu. Die gegenständliche Bildwelt erhält so etwas Sonderbares und Geheimnisvolles.

Tauchen wir in Demissys Bildwelt ein, spüren wir auf seine Weise den Kontakt und die Verbundenheit mit dem Material, aus dem seine Bilder gewachsen sind. Wenn sie dem Zug der Linie und dem Fluss der Farbe, ihrem Aufleuchten und ihrem Abtauchen folgen, können wir die sinnliche und geistliche Erfahrung, die er beim Malen gemacht hat, nachvollziehen. Die Farbe wird zu etwas sehr Lebendigen, etwas, das entsteht, wächst, sich eine Form und einen Halt in der Welt sucht. Verbinden wir uns mit diesem Lebewesen und begegnen wir dabei dem, was in uns lebendig ist. Dann sind wir im Kontakt mit uns und der Welt. Die Form, die Figur – ob Mensch, Tier, Pflanze oder abstrakte Figuration- nimmt uns mit auf eine Reise in seine Welt. Diese Welt ist in Bewegung und sie öffnet sich, um vielleicht auch unsere zu werden. „Stelle dir vor!“ heißt auf französisch: „Imagine-toi!“ oder auch „Figure-toi!“

Wolfgang Ebert

 

 

© Luc Demissy, 2017